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Thomas von Riedts Novellennest

tvr's Geschichten Blog


Der Trotti Soldat
Eine kritische Betrachtung Es ist kurz nach acht Uhr morgens. Der Himmel ist grau in grau, ein bissiger, eisiger Wind weht. Aus dem Westen ist dumpfes Grollen zu hören, etwas zieht unaufhaltsam über das Land. Dann der Knall einer gewaltigen Implosion, gefolgt von lautem, vielstimmigem Geschrei und dem Krachen einstürzenden Gebälks. Nein, es ist kein Unwetter über dem Napf. Noch am gestrigen Abend zeigten die Nachrichten eine Welt im Sturm. Überall brennt es, überall wird la
thomasvonriedt
vor 5 Tagen3 Min. Lesezeit


1967 Cinderella - Rockefella
1967 Es war die Zeit, als Abi und Esther Ofarim mit Cinderella Rockefella die Hitparaden eroberten und aus jedem Kofferradio ein wenig heisere Sehnsucht klang. In den Schaufenstern lagen Single-Platten mit bunten Covern, und auf den Pausenhöfen wurden die Refrains schief mitgesungen. Vor allem die Mädchen schauten zu Esther hinauf wie zu einem fernen Stern. Sie versuchten, ihren Stil nachzuahmen: die schwarz umrandeten Augen, der Kleopatra-Lidstrich, die kurzen Röcke, di
thomasvonriedt
12. Jan.9 Min. Lesezeit


Zältli-Vreni
Wie die Himbeere den Zucker fand Im Garten eines kleinen Hauses im Zürcher Unterland wächst eine leuchtend rote Himbeere. Nicht weit davon, auf einem Feld, reckt eine Runkelrübe ihre Blätter in den Himmel. Die beiden kennen sich nicht – und doch ist es ihr Schicksal, eines Tages zueinanderzufinden. „Schau mich an, wie ich glänze!“, denkt die Himbeere stolz. „Ob ich wohl einmal etwas ganz Besonderes werde?“ Die Runkelrübe seufzt tief in der Erde. „Ich will die Welt versüssen
thomasvonriedt
7. Jan.4 Min. Lesezeit


Max und der hässliche Bär
Leider immer noch aktuell! Vor Jahren Als Max, der Meister der Grüns, die Ukraine zum ersten Mal besuchte, dachte noch niemand an Krieg. Die Krim war noch nicht besetzt, die Donbass-Region war noch vollständig in das junge Land integriert. Damals war alles vor allem eins: überraschend normal. Die Strassen von Kiew waren voll, die Cafés laut, und auf dem Platz vor seinem Hotel spielten Kinder zwischen gelb-blauen Fahnen Fangen. Max, aus Jux in ein Poloshirt in Gelb und ein
thomasvonriedt
4. Jan.10 Min. Lesezeit


Max, der Meister des Grüns
In einer staubigen Ecke des Pro-Shops stand eine alte, abgenutzte Golftasche. Ihr Leder war ausgeblichen, der Reissverschluss klemmte, und an einem Träger hing noch ein vergilbtes Namensschild: „H. Meier“. Niemand wusste so genau, wer H. Meier gewesen war – aber in dieser Tasche lebten die Golfbälle. Sie kannten sich alle beim Namen. Da war Titleist, der Eingebildete, der bei jeder Gelegenheit betonte, er sei ein „Tour-Ball“ und gehöre eigentlich auf die grossen Profiturn
thomasvonriedt
28. Dez. 20257 Min. Lesezeit


Benka mit dem goldenen Schlüssel
Der Wichtel, ein echter aus dem Schwarzwald, sass gemütlich unter dem festlich geschmückten Weihnachtsbaum und betrachtete die funkelnden Lichter und glänzenden Geschenke. Plötzlich hörte er leise Schritte, und das sanfte Klingen von Glöckchen ertönte. Das Christkind trat mit einem strahlenden Lächeln unter den Baum. Es trug ein glänzendes Gewand aus goldenem Sternenstaub und hatte leichte Engelsflügel, die im sanften Licht schimmerten. Der Wichtel blickte ehrfürchtig auf und
thomasvonriedt
23. Dez. 20256 Min. Lesezeit


Ein Platz am Tisch
Ein warmherziges Adventsmärchen über Verlust und Heimkehr – und über ein Geschenk, das alles verwandelt. 1. Advent Als ich an diesem ersten Advent durch die Strassen unserer Stadt ging, sah ich ihn sofort. Ein Mann, zusammengesunken auf einer Parkbank, umgeben von ein paar Papiersäcken und einem Einkaufswagen – einem mobilen Zuhause auf vier quietschenden Rädern. Er wirkte, wie man es leider zu oft sieht: mager, erschöpft, vom Wind gezeichnet, mit struppigem Haar, wildem
thomasvonriedt
18. Dez. 202511 Min. Lesezeit


Streitgespräch bei McDonalds
In einer unscheinbaren McDonald’s-Filiale, irgendwo zwischen Neonlicht und fettigen Burgern, sitzen drei Männer, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Albert Anker, Meister der bäuerlichen Idyllen, Arnold Böcklin, Schöpfer fantastischer Traumwelten, und Harald Nägeli, der Sprayer von Zürich. Sie haben sich hier eingefunden, um über Kunst zu sprechen – oder vielmehr: um zu streiten. Anker, in feinem Anzug mit Taschenuhr, rührt mit Bedacht in seinem Kaffee. „Kunst muss Ha
thomasvonriedt
17. Dez. 20256 Min. Lesezeit


Die Fabel vom Hahn, den Schafen und dem Fuchs
Auf einem alten Hof, zwischen Apfelbäumen und einem müd klappernden Windrad, lebte ein Hahn. Er war stolz, selbstgefällig und felsenfest überzeugt, dass ohne sein Krähen die Sonne niemals aufginge. Jeden Morgen, Punkt fünf Uhr, flatterte er auf den Misthaufen, reckte den Hals, schüttelte sein prächtiges Gefieder – und schrie die Welt zusammen. „Kikeriki! Aufstehen, ihr Faulenzer, das Licht kommt – meinetwegen !“ Und wie jeden Morgen erwartete er Beifall. Die Schafe au
thomasvonriedt
17. Dez. 20252 Min. Lesezeit


Die Fabel vom Golfball und dem Driver
Gejammert wird viel – und fast immer auf hohem Niveau. Nur: Das Niveau sinkt kontinuierlich. Bald jammern wir also tief unten im Keller, und dann gäbe es tatsächlich Grund dazu. Seit dem 1. August 2025, dem «Geschenk» unseres grossen Freundes aus den USA (der seit Januar 2024 satte 99,3 % aller US-Produkte zollfrei in die Schweiz kippt), klagen wir über unsere Exportmisere. Als ehemaliger CEO weiss ich: Export ist kein Kindergeburtstag. Man ist immer zu teuer, Marktaufbau k
thomasvonriedt
17. Dez. 20252 Min. Lesezeit
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