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Zältli-Vreni

  • thomasvonriedt
  • 7. Jan.
  • 4 Min. Lesezeit

 

Wie die Himbeere den Zucker fand


Im Garten eines kleinen Hauses im Zürcher Unterland wächst eine leuchtend rote Himbeere. Nicht weit davon, auf einem Feld, reckt eine Runkelrübe ihre Blätter in den Himmel. Die beiden kennen sich nicht – und doch ist es ihr Schicksal, eines Tages zueinanderzufinden.

 

„Schau mich an, wie ich glänze!“, denkt die Himbeere stolz. „Ob ich wohl einmal etwas ganz Besonderes werde?“

Die Runkelrübe seufzt tief in der Erde. „Ich will die Welt versüssen“, träumt sie, „aber ich weiss nicht, wie.“

 

Marga aus Polen, genauer aus Falizowka, pflückt die Himbeere vorsichtig von der Staude und legt sie zu den anderen Beeren in den Korb.

„Du bist aber eine Hübsche“, murmelt sie und streicht kurz mit dem Finger über die glänzende Frucht.


Zbigniew, ihr Freund aus der Nachbarortschaft Lesniowka, arbeitet ebenfalls beim Beerenbauern Müller. Er ist verantwortlich für die sorgfältige Wäsche der herrlichen Früchte.

„Pass gut auf sie auf, Zibi“, ruft Marga ihm zu. „Die da im Korb sind unsere kleinen Schätze.“

Zbigniew lacht. „Keine Sorge, Marga. Ich behandle sie, als wären es Rubine.“

 

Die Beeren werden gewaschen, getrocknet und vom Bauern Müller selbst schockgefrostet, damit ihr fruchtiger Geschmack und ihre strahlende Farbe erhalten bleiben.

„Kalt, aber edel“, denkt die Himbeere, als sie im Frost einschläft.

 

Nun darf Marga die Himbeeren jeweils kiloweise mit der Verpackungsmaschine in Migros-Beutel abfüllen und im Kühlraum lagern. Die Maschine kann einfach alles: Sie bedruckt den Kunststoff in vier Sprachen, füllt ab, schweisst zu und klebt am Schluss sachte den Aktionskleber darauf.

„Ein Kilo Glück pro Beutel“, sagt Marga leise und schiebt die Palette zur Seite.

Schon bald wird Bruno, der Migros-Chauffeur, die gefrorenen Früchte ins Verteilzentrum bringen.

„Alles gut verstaut?“, fragt er, während er die Ladefläche schliesst.

„Ja, Bruno“, ruft Müller. „Du fährst heute eine ganze Ladung Herbst!“

Bruno grinst. „Dann will ich mal Sonne ins Tiefkühlregal bringen.“

 

Die Runkelrübe dagegen hat einen ungleich längeren Weg vor sich. Sie wird von riesigen Maschinen aus der Erde gerissen, das grüne Laub wird entfernt, und dann wird sie etwas gar rücksichtslos auf grosse Mieten gehäuft. Endlich kommt der Runkel-Klöti, lädt die nackten Rüben auf die Anhänger und macht sich mit seinem Lastenzug auf den Weg zur Abladestation im Aargau.

 

In der Zuckerfabrik rollen Tausende ihrer Kollegen über das Band zur Waschung im eiskalten Wasser, dann werden sie geschnitzelt, gekocht und schliesslich zu Zucker weiterverarbeitet. Die Rüben fürchten sich während des langen Prozesses, und es entsteht ein leises Gemurmel zwischen ihnen.

„Was werden wir wohl?“

„Ich möchte knistern!“, meint eine.

„Ich will ganz fein sein, wie Puder“, sagt eine andere.

 

Die Zuckerrüben „dürfen“ wählen, ob sie als feiner Puderzucker oder als knispernder Kristallzucker die Welt versüssen wollen – zumindest stellt sich Schorsch, der Mitarbeiter im Werk, das so vor.

 

„Wenn ich Zucker wäre“, sagt er zu seinem Kollegen, „ich würde mich für Kristall entscheiden. Man soll mich hören, wenn ich knacke.“

„Ich wäre lieber Puderzucker“, entgegnet der Kollege. „Unauffällig, aber überall dabei.“

 

Schorsch lädt Palette um Palette Zucker in die Wagen der SBB. In den Säcken schüttelt und rüttelt es, und so kommt es, dass sich Rüben aus dem Zürcher Unterland mit solchen aus dem Aargau mischen.

Die frisch entstandenen Zuckerkörner flüstern: „Wo werden wir wohl enden? Im Kuchen? Im Tee? In Guetzli?“

 

Es ist Anfang Dezember. Das Zältli-Vreni – eigentlich heisst sie Verena Süess – macht gerade ihre Kommissionen, wie immer in der Migros. Sie will für ihre Freunde kleine Freuden zubereiten. In diesem Jahr sollen es selbstgemachte Himbeer-Zältli sein.

 

Vor der Tiefkühltruhe bleibt sie stehen.

„Frische Himbeeren wären schon schön“, denkt sie, „aber im Dezember? Nein. Und schockgefrorene Beeren verlieren ja keine Qualität, das habe ich doch im Brückenbauer gelesen.“

Sie öffnet die Tür, greift zu und murmelt: „So, ihr zwei letzten Beutel, mit euch mache ich etwas Feines.“

 

An der Kassenschlange mustert sie die Zuckeraktion.

„Wenn schon - denn schon“, sagt sie halblaut und legt mehrere Pakete Zucker aufs Band. Die Kassiererin lächelt.

„Da gibt’s aber etwas Süsses bei Ihnen zu Hause.“

„Oh ja“, antwortet Verena. „Himbeer-Zältli für liebe Menschen.“

 

So gelangten – auf getrennten Wegen – die Himbeere und der Zucker schliesslich in die Küche von Frau Süess.

„Na, ihr beiden“, sagt sie, während sie die Beutel öffnet, „jetzt lernt ihr euch kennen.“

 

Mit viel Gefühl, Erfahrung und einem Lächeln im Gesicht bereitet sie den beiden ein warmes Bad in der Pfanne: Der Zucker schmilzt langsam, die Himbeere gibt ihre Farbe und ihr Aroma frei.

 

„Wie warm und weich!“, staunt die Himbeere.

„Endlich darf ich das tun, wovon ich geträumt habe“, freut sich der Zucker.

 

Die beiden tummeln sich, vermischen sich, bis sie sich untrennbar in ewiger süsser Liebe vereinen.

„Wir sind eins“, flüstert die Himbeere.

„Und wir machen die Welt ein wenig süsser“, antwortet der Zucker.

 

So wurde das Himbeer-Zältli geboren – fruchtig, süss und mit einem Hauch Kindheitserinnerung. Gerade richtig, um dir als kleines Mitbringsel grosse Freude zu bereiten.

 

 

Für die Himbeerbonbons braucht man:

 

450 g Zucker

150 ml Himbeersaft

100 g Traubenzucker

Puderzucker

Backpapier

Eiswasser

Zuckerthermometer

Bonbonform

 

Und so werden die Bonbons gemacht:

 

Zucker, Traubenzucker und Himbeersaft in einen Kochtopf geben und auf der höchsten Stufe unter Rühren erhitzen, bis sich der Zucker aufgelöst hat und es kocht. Wenn der Zucker kocht, nicht mehr umrühren!!!



Erhitze die Zuckermasse auf 158 °C. Das dauert etwas, du solltest zwischendurch immer mal wieder die Temperatur kontrollieren. Der Zucker darf nicht braun werden!



Ist die Temperatur erreicht, stelle den Topf sofort für einige Sekunden in Eiswasser.

Anschliessend gib die Zuckermasse in die Form. Vorsicht heiss!



Nun lass die Bonbons in der Form abkühlen.



Ist die Zuckermasse erhärtet, nimm die Bonbons aus der Form und bestäube sie mit etwas Puderzucker. So kleben sie später nicht so schnell zusammen.



Die Bonbons sollten luftdicht gelagert werden, denn der Zucker zieht die Luftfeuchtigkeit an und die Bonbons werden klebrig.

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