Max und der hässliche Bär
- thomasvonriedt
- 4. Jan.
- 10 Min. Lesezeit

Leider immer noch aktuell!
Vor Jahren
Als Max, der Meister der Grüns, die Ukraine zum ersten Mal besuchte, dachte noch niemand an Krieg.
Die Krim war noch nicht besetzt, die Donbass-Region war noch vollständig in das junge Land integriert.
Damals war alles vor allem eins: überraschend normal.
Die Strassen von Kiew waren voll, die Cafés laut, und auf dem Platz vor seinem Hotel spielten Kinder zwischen gelb-blauen Fahnen Fangen. Max, aus Jux in ein Poloshirt in Gelb und eine blaue Hose gekleidet, fiel auf. Die Leute lachten, klopften ihm auf die Schulter, schenkten ihm Bier und Geschichten. Auf der Driving Range am Stadtrand lernte er Tymofi kennen, einen drahtigen Bauern mit rauen Händen, der den Schläger hielt, als sei es eine Forke – und den Ball trotzdem erstaunlich weit schlagen konnte.
Sie freundeten sich schnell an. Abends, im schwächer werdenden Licht der Flutlampen, erzählte Tymofi von seinem Hof im Oblast Donezk, von Kühen, Weizenfeldern und einem kleinen Fischteich. „Wenn du wiederkommst“, sagte er, „spielen wir erst neun Loch und dann fischst du dir dein Abendessen selbst.“
Damals glaubte Max das. Damals glaubte man noch vieles.
Nachrichten im Westen
Jahre später sass Max in seiner kleinen Wohnung in Zürich vor dem Fernseher.
Das Poloshirt von damals hing noch im Schrank, leicht ausgeblichen, aber sauber gefaltet. Auf dem Bildschirm liefen Bilder, die nicht zu den Erinnerungen passen wollten: aufgerissene Strassen, brennende Wohnblocks, Menschen in Kellern.
Max zappte durch die Sender. Kurzberichte von der Front, dann Werbung für Streamingdienste, eine Diskussionsrunde über Energiepreise, danach eine Preisverleihung. Auf Social Media sah er Selfies von Bekannten auf irgendeiner Party.
Zwischendurch eine Meldung: „…im ostukrainischen Donezk-Gebiet dauern die Kämpfe an.“ Ein paar Sekunden Videomaterial, dann ein Lächeln der Moderatorin, Übergang zu einem Beitrag über die Oscar-Nacht.
Max legte die Fernbedienung beiseite und starrte auf das schwarze Rechteck.
Wo war Tymofi? War er noch auf seinem Hof? Hatte er seine Golfschläger gegen ein Gewehr getauscht? Zog er jetzt durch schlammige Schützengräben statt über grüne Fairways?
Mit jeder Meldung wuchs in Max ein dumpfes Gefühl aus Sorge und Scham.
Er, der sich über geschlossene Golfplätze während Corona geärgert hatte, sass nun in der warmen Stube und sah zu, wie das Land eines Freundes brannte – und schaltete weiter, wenn die Bilder zu schwer wurden.
Eines Abends, als draussen nasser Schnee an die Fensterscheiben klatschte, nahm er einen Umschlag aus einer Schublade. Der letzte Brief von Tymofi, Monate alt. Der Stempel zeigte ein Dorf im ukrainischen Teil des Oblast Donezk, nicht weit von der Frontlinie.
Die Schrift war fest, die Sätze kurz:
„Wir bleiben. Die Tiere brauchen uns. Vielleicht kommen sie bis hier, vielleicht auch nicht. Wenn du Zeit hast, schreib. Und komm irgendwann wieder. Ich zeige dir, wie man mit einem Dreizack umgeht.“
Max las den Brief dreimal. Dann legte er ihn neben das Telefon und wusste: Er würde nicht nur schreiben. Er würde fahren.
Reise in ein anderes Europa
Die Reise nach Kiew verlief erstaunlich glatt. Flug, Umsteigen, eine Bahn, die trotz Luftalarm fuhr. Je näher er der Hauptstadt kam, desto mehr Spuren der Einschläge sah Max: geborstene Fensterscheiben, provisorisch verschalte Fassaden, Sandsäcke um Denkmäler.
Sirenen heulten. Die Menschen reagierten mit einer Ruhe, die ihn erschreckte – als wäre das Heulen längst Teil des Alltags. Einige gingen in die Schutzräume, andere blieben stehen, schauten in den Himmel, zuckten mit den Schultern.
Max suchte in Kiew nach einem Fahrer, der bereit war, ihn nach Osten zu bringen. Am dritten Tag fand er Danylo, einen schweigsamen Mann mittleren Alters mit tiefen Falten und einem SUV, dessen Lack übersät war mit Kratzern und Dellen.
„Donezk?“ fragte Danylo und pfiff leise.
„Ein Freund“, sagte Max. „Ein Bauernhof, nahe der Front.“
Danylo sah ihn prüfend an. „Viele Freunde sind schon tot. Aber wir können es versuchen.“
Sie fuhren los. Aus der Stadt heraus, durch Vororte, in denen verlassene Spielplätze neben Panzerigeln lagen. Je weiter sie nach Osten kamen, desto weniger Autos begegneten ihnen.
Sie sahen Häuser mit abgedeckten Dächern, verbrannte Tankstellen, verlassene Bushaltestellen. Die wenigen Menschen, die noch unterwegs waren – meist alte Frauen und Kinder, dick eingepackt gegen die Kälte – hoben zwei Finger zum Victory-Zeichen, als der SUV vorbeifuhr. Max erwiderte die Geste, aber jedes Mal fühlte es sich an, als ob er etwas versprach, was er nicht halten konnte.
Der Bär zeigt sich
Auf einer ausgeweiteten Kreuzung machten sie Halt.
An einer Mauer prangte ein Graffiti: ein riesiger Bär, rot eingefärbt, mit einem Maul voller Zähne, der seine Pranken nach einem kleineren, gelb-blauen Wesen ausstreckte. Jemand hatte daruntergeschrieben: „Wir erinnern uns.“
Max konnte den Blick nicht lösen. Der Bär schien lebendig, als würde er gleich aus der Wand brechen.
„Für uns ist Russland seit Jahrhunderten dieser Bär“, sagte Danylo. „Er kommt immer wieder. Manchmal lässt er uns ein paar Jahre in Ruhe, dann kommt er mit mehr Hunger zurück.“
Seitdem sah Max den Bären überall. In Nachrichtenbildern, in den Spuren der Kettenfahrzeuge, im Rauch über den Dörfern. Der Bär war nicht nur Symbol, er war zum Schatten geworden, der neben ihrem Wagen herlief.
Am Horizont flackerte ein schwaches Glühen. Danylo zeigte nach vorn.
„Makarivka, Staromajorske. Sie wurden befreit. Aber sie schiessen weiter, jeden Tag. Wenn wir Pech haben, verschiebt sich die Front, bevor wir ankommen.“
Der Strassenbelag wurde schlechter, Schlagloch reihte sich an Schlagloch. Manchmal mussten sie fast im Schritttempo fahren, um nicht in Kratern stecken zu bleiben. An einem ausgebrannten Bauernhof vorbei, dessen Dach wie ein aufgeklappter Kiefer in den Himmel ragte, wollte Danylo umkehren.
„Es reicht, Maksym“, sagte er. „Es ist verrückt, weiterzufahren. Frag deine Regierung, sie sollen deinen Freund mit einem Hubschrauber holen.“
Max schüttelte den Kopf. „Meine Regierung diskutiert noch Prozentsätze des Verteidigungsetats“, murmelte er. „Tymofi hat keine Zeit für Prozentsätze.“
Danylo fluchte leise, startete den Motor erneut und fuhr weiter.
Der Hof im Feuer
Schliesslich liess die Strasse nicht mehr viel zu als eine tief verschneite Spur. „Noch fünf Kilometer“, sagte Max, der mit zittrigen Fingern die alte Adresse auf dem Brief abglich.
Da hörten sie es: ein tiefes, hässliches Grollen, das durch Mark und Bein ging. Es war kein Motor, kein Donner. Es war das Brüllen des Bären – nicht auf der Wand, sondern irgendwo vor ihnen, im Schnee und Rauch.
„Hörst du das?“ fragte Max.
Danylo nickte nur und fuhr langsamer.
Zwischen zwei kahlen Baumreihen hindurch sahen sie den Hof. Oder das, was noch davon übrig war. Ein Teil des Wohnhauses stand in Flammen, der Stall war aufgerissen, Kühe rannten panisch davon. In der Mitte des Hofes, dort, wo der Schuppen mit den Heuballen gewesen sein musste, wütete ein riesiger, dunkler Schatten.
In Max’ Augen war es der Bär. Rot im Schein der Flammen, das Fell verfilzt, die Pranken blutverschmiert. Doch dazwischen blitzten Stahl und Feuer auf, Mündungsfeuer von Sturmgewehren, das Schlagen von Ketten, das dröhnende Knattern eines Schützenpanzers, der neben dem Hof stand.
Der Bär war die Armee, die Armee war der Bär.
Mit einem Schrei stürzte sich eine Gestalt auf das Ungetüm – ein Mann mit der Haltung eines Bauern und einem Dreizack in der Hand. Er brüllte, schlug, stach, als könne er mit dem Werkzeug seiner Arbeit das Monstrum vertreiben.
„Tymofi“, hauchte Max. Sein Hals schnürte sich zu.
„Tymofi! Hierher!“ rief er, so laut er konnte. Danylo trat auf die Bremse, setzte den Wagen mit einem Haken in den Schnee. Max riss die Tür auf, winkte wild.
Die Zeit schien zu zerfliessen.
Der Bär wandte den Kopf, seine Augen wie schwarze Löcher im Rauch. Ein Schuss peitschte, Holz splitterte. Eine Kuh stürzte. Tymofi taumelte, liess den Dreizack fallen und rannte, stolpernd, in Richtung Strasse.
„Los!“ schrie Max.
Danylo fuhr schon an. Der SUV pflügte durch Matsch und Schnee, Max hielt die hintere Tür auf, bis die kalte Luft ihm den Atem nahm. Im letzten Moment sprang Tymofi in den Wagen, knallte gegen Max, blieb halb auf ihm liegen.
Danylo legte den Rückwärtsgang ein und gab Gas. Hinter ihnen explodierte etwas. Ein Druck, ein Schrei, ein Feuerball.
Der Hof verschwand in Rauch. Der Bär beugte sich über eine Kuh, die nicht mehr fliehen konnte, und riss sie mit einem letzten Brüllen zu Boden.
Eine Nacht ohne Schlaf
Sie fuhren, bis die Tankanzeige warnte und die Hände am Lenkrad zitterten. In einer mittelgrossen Stadt, deren Name Max sich nicht merkte, fanden sie einen Platz in der Tiefgarage eines Hochhauses. Das Gebäude darüber war halb leer, halb bewohnt. Jemand hatte Wasserkanister und Matratzen in die untersten Stockwerke getragen.
Tymofi sass auf einer dieser Matratzen, den Blick an die Betonwand geheftet.
„Die Familie?“ fragte Max.
„In Lwiw“, antwortete Tymofi. „Schon lange. Ich… musste bei den Tieren bleiben.“
Er sprach leise, ohne Pathos, als sei alles folgerichtig. Max wusste nicht, was er sagen sollte. Er hatte fast alles verloren, was man verlieren konnte, und trotzdem entschuldigte er sich dafür, dass er nicht früher gekommen war.
In dieser Nacht heulten die Sirenen mehrmals. Über ihnen hörten sie das Rattern von Kettenfahrzeugen, das dumpfe Grollen von Explosionen. Staub rieselte von der Decke. Niemand schlief wirklich. Jede und jeder lag in seinem Schlafsack, starrte in die Dunkelheit und hörte zu, wie der Krieg an den Mauern kratzte.
Der Bär in der Stadt
Am frühen Morgen wurde der Lärm anders. Näher.
Max hörte Schreie, das Splittern von Glas, ein Kreischen, das ihm durch den Körper fuhr. Dann ein dumpfer Schlag, noch einer. Teile der Fassade stürzten auf die Strasse, das spürte man sogar in der Tiefgarage.
„Er ist da“, sagte Tymofi ohne jede Erklärung.
„Wer?“ fragte Max, obwohl er es wusste.
„Der Bär.“
Danylo zögerte keine Sekunde. „Wir können nicht warten, bis das Ganze über uns zusammenbricht.“ Er startete den Motor, fuhr direkt gegen die geschlossene Schranke und brach sie mit einem hässlichen Knall. Kugeln schlugen in Beton, Glas zerbarst. Zwei Projektile trafen den SUV, durchschlugen Blech, ein Stück Plastik sprang ab. Max duckte sich instinktiv.
Zwischen den Häusern sah er den Bären.
Er kroch an der Fassade hinauf, riss mit den Krallen ganze Balkone weg, seine Flanke verschmolz mit dem Stahl der Panzer, die unter ihm standen. Aus seinen Nüstern stiess Rauch, der nach verbranntem Gummi roch. Wo er auftrat, brachen Fenster, brach Mauerwerk. Menschen rannten, manche fielen, manche kamen nicht mehr hoch.
Inmitten des Chaos hielten ukrainische Soldaten ihre Stellung. Sie wirkten klein gegen das Monstrum, wie Figuren aus Zinn. Sie schossen, so schnell sie konnten. Ein junger Gefreiter, kaum älter als Tymofis ältester Sohn, warf sich hinter einen Betonklotz, kurbelte an einem altmodischen Funkgerät und schrie in den Hörer.
„Luftunterstützung“, murmelte Danylo. „Wenn sie kommt, ist es vielleicht schon zu spät.“
Der Bär kletterte höher, als wolle er das gesamte Hochhaus in sich hineinstopfen. Flammen schlugen aus mehreren Stockwerken, Menschen versuchten, über Treppenhäuser oder Feuerleitern nach unten zu kommen. Andere blieben am Fenster stehen und starrten in die Leere.
Da hörten sie ein neues Geräusch: das ferne Heulen von Triebwerken. Es kam näher, zerschnitt das Dröhnen der Panzerketten. Am Himmel tauchten zwei dunkle Punkte auf, wurden zu Flugzeugen.
Sie schwenkten in Richtung Stadtzentrum ein. Die Bordkanonen bellten, Raketen lösten sich, zogen ihre glühenden Spuren. Der Bär schien zu schreien, doch sein Brüllen ging im Donner der Detonationen unter. Teile der Fassade brachen heraus, ein Stahlstück bohrte sich in seinen Leib, Staub und Rauch umhüllten ihn wie einen Mantel.
Schliesslich sackte das Hochhaus in sich zusammen.
Mit einem Geräusch, das Max nie vergessen würde, brach es nach innen, Etage um Etage, und begrub den Bären unter Beton, Glas und Stahl. Die Druckwelle drückte den SUV fast gegen eine Mauer.
Stille herrschte nur für Sekunden. Dann begann das Schreien.
Ein Sieg ohne Jubel
Ukrainische Soldaten nutzten den Moment. Wie Schatten tauchten sie aus Seitengassen auf, stürmten vor, warfen Granaten in die Reste der feindlichen Stellungen. Die russischen Truppen – was von ihnen noch übrig war – zogen sich zurück, liessen verbrannte Fahrzeuge und ausgebrannte Häuser zurück.
Doch Jubel blieb aus.
Zu viele lagen unter den Trümmern, zu viele suchten nach Angehörigen, zu viele sassen auf Bordsteinen, mit leeren Augen und blutigen Händen.
Erst als der Rauch etwas dünner wurde, wagten sich auch Max, Tymofi und Danylo wieder auf die Strasse.
Freiwillige reichten Tee, Soldaten umarmten sich, Kinder liefen barfuss über den grauen Staub, als sei er Schnee. Für ein paar Stunden tanzten die Menschen, weinten, lachten – nicht, weil der Krieg vorbei war, sondern weil sie noch lebten.
Max stand am Rand des Platzes und spürte, wie seine Beine zitterten.
Er blickte auf die Trümmer des Hochhauses. In seiner Vorstellung ragte darunter immer noch eine Bärenpranke hervor, eingeklemmt zwischen Beton und Stahl, bereit, sich irgendwann wieder zu lösen.
„Wir haben ihn heute gestoppt“, sagte Tymofi. „Aber er kommt wieder. Er kommt immer wieder.“
Der Westen schaut weg
Am Abend sassen sie in einem notdürftig hergerichteten Aufenthaltsraum.
Jemand hatte einen Generator aufgestellt, ein Fernseher lief.
Eine internationale Nachrichtensendung berichtete: „In einer ostukrainischen Stadt ist es zu schweren Gefechten gekommen. Die ukrainische Armee spricht von einem lokalen Erfolg.“
Dreissig Sekunden Bilder: Rauch, ein Interview mit einem Offizier, der kurz „Erfolg“ und „Dank an die Partner“ sagte.
Dann schnitt die Regie zu einem Beitrag über eine grosse Filmpreisverleihung: rote Teppiche, Blitzlichtgewitter, Designerroben. Der Ton wurde lauter, fröhlicher. Das Publikum applaudierte, als ein Schauspieler seine Trophäe in die Höhe hielt.
Max sah von Tymofi zum Bildschirm und wieder zurück.
„Siehst du“, sagte Tymofi, ohne Bitterkeit in der Stimme. „Für sie sind wir ein Zwischenthema. Ein Block vor der Werbung.“
Max sagte nichts. In seinem Kopf ratterten andere Zahlen.
Tags zuvor hatte er in einer Online-Nachricht gelesen, dass sein Heimatland 0,76 Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Verteidigung ausgebe. Ein Experte hatte im Studio erklärt, das sei „angesichts anderer Prioritäten durchaus vertretbar“.
0,76 Prozent.
Wieviel Beton, wie viele Helme, wie viele Flugabwehrsysteme waren das? Wieviel war ein Prozent wert, wenn ein Bär durch Wohnhäuser wütete?
Er stellte sich vor, der Bär würde eines Tags weiterziehen.
Über die Grenze, über Felder, durch Wälder, immer weiter nach Westen, bis an die Ränder der Städte, in denen jetzt Menschen im Warmen vor ihren Bildschirmen sassen. Bis nach Berlin, Zürich, Paris. Würde man dann auch noch sagen, 0,76 Prozent seien genug?
Max sah aus dem Fenster auf die dunkle Stadt, in der zwischen den Ruinen einzelne Lichter flackerten. Hinter einem dieser Lichter sass vielleicht ein Kind mit einem Bären-Plüsch-Tier im Arm, eingewickelt in eine Decke, während irgendwo in der Ferne wieder Sirenen anfingen zu heulen.
Er legte seine Hand auf Tymofis Schulter.
„Wir fahren morgen nach Westen“, sagte er leise. „Zu deiner Familie. Zumindest das können wir tun.“
Tymofi nickte. „Und du?“
Max dachte an seine flachen, gepflegten Grüns, an das leise Klicken der Tees, an die Turniere mit anschliessender Siegerehrung bei Wein und Käse.
„Ich gehe zurück“, sagte er schliesslich. „Und ich werde erzählen, was ich gesehen habe. Immer wieder. Vielleicht wird es irgendwann gehört.“
Draussen im Dunkeln war der Bär für einen Moment nicht zu sehen.
Aber Max wusste, dass er noch da war – unter den Trümmern, in den Schlagzeilen, in den Gleichgültigkeiten.
Und die Frage, die er mit nach Hause nehmen würde, liess ihn nicht los:
Reichen 0,76 Prozent des BIP, um die Heimat zu verteidigen – wenn der Bär irgendwann vor der eigenen Tür steht?




Kommentare